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General der Nachrichtentruppe ab August 1944

 

Albert Praun

 

 

Albert Praun wurde am 11. Dezember 1894 in Staffelstein bei Bamberg als Sohn eines Notars geboren.

Im Oktober 1913 trat er als Fahnenjunker in München in das Königlich Bayerische Telegraphenbataillon ein.

Als Fähnrich ist er zu Beginn des 1.Weltkrieges der Fernsprechabteilung des III. Bayerischen Korps zugeteilt worden. Nach Beförderung zum Leutnant im September 1914 war er Nachrichtenzugführer bei Infanteriebrigaden, auch im Kampf um Verdun. Nach Verwendung im Stab des Armeefernsprechkommandos wurde Oberleutnant Praun im Oktober 1917 als Fernsprech-Zugführer einer Division an die Ostfront kommandiert. Dezember 1917 wechselte er mit seiner Division an die Westfront und wirkte ab April 1918 als Divisionsnachrichtenkommandeur an der Vorbereitung der letzten Großoffensive mit.

Nach Ende des 1.Weltkrieges verblieb er im 100.000-Mann-Heer und diente als Zugführer, Adjutant und Kompaniechef in Nürnberg, Berlin, München und Kassel. Hier heiratete er im Juni 1922 Hella Röhrs, eine Bremerin, die er im Urlaub kennengelernt hatte.

Der erfolgreichen Wehrkreisprüfung folgte ab 1923 eine dreijährige „Führergehilfenausbildung“, vorzugsweise bestehend aus etlichen Kommandierungen zu Verbänden unterschiedlichster Waffengattungen. 1926 wurde Praun zum Hauptmann befördert. Zunächst 1931 als „Stonach“ nach Königsberg versetzt, wurde er 1933 Lehrer für Nachrichtenwesen an der wieder aufgestellten Kriegsakademie in Berlin und dort zum Major befördert. 1935 lernte er als Kommandeur der Nachrichtenabteilung der 2. Panzerdivision deren Kommandeur Oberst Guderian kennen, bei dem er nicht nur die Zusammenarbeit von Nachrichten- und Panzertruppe praktizieren konnte, sondern von dem er auch späterhin gefördert werden sollte. Nach erfolgreicher Führungsunterstützung seiner Division bei Besetzung des Sudetenlandes und danach der gesamten Tschechoslowakei wurde Praun zum Oberst befördert und im Zuge der Mobilmachung als Kommandeur des Nachrichtenregiments der 1.Armee im Westen eingesetzt.

Den Westfeldzug erlebte er als Nachrichtenführer der 7. Armee sowie der Panzergruppen Hoth und Guderian. Nach Zwischenverwendung als Nachrichtenführer des Bezirks Frankfurt holte ihn Guderian als Nachrichtenführer seiner Panzerdivision zurück, die bis vor Moskau vorstieß. Nach Kommandierung zur ungarischen Armee wechselte Praun auf eigenen Antrag zur Kampftruppe, führte nacheinander im Ostfeldzug zwei Infanterieregimenter, eine Panzergrenadierbrigade und zwei Divisionen, wurde 1943 zum Generalleutnant befördert und mit dem Deutschen Kreuz in Gold sowie dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Danach war er zunächst als Nachrichtenführer der Heeresgruppe Mitte eingesetzt, bevor er 1944 in Frankreich erneut mit der Führung einer Infanteriedivision beauftragt wurde, die später an den Invasionskämpfen in der Normandie beteiligt war.

Im Jahr 1944 wurde er zum Nachfolger von General Fellgiebel (zum Chef des Heeresnachrichtenwesens und Chef des Wehrmachts-Nachrichtenwesens) berufen, sein Chef des Stabes wurde Oberst i.G. Leo Hepp. In Berlin traf Praun auf Generaloberst Guderian, den neuen Chef des Generalstabs, nun zum dritten Mal als sein Nachrichtenführer. In demselben Jahr ist Praun zum General der Nachrichtentruppe befördert worden.

Unmittelbar nach Kriegsende wurde Praun zu offiziellen Verhandlungen über noch nutzbare Nachrichtenverbindungen in das alliierte Hauptquartier Eisenhowers nach Reims geschickt, die aber misslangen. Er selbst kehrte von dieser Reise nicht zurück – es begann eine zweijährige Zeit als Kriegsgefangener. Über Cherbourg und Hersfeld wurden er und seine Mitgefangenen in ein Gefangenenlager bei Allendorf überführt. Hier kam er 1946 in Kontakt mit der Historical Division der US Army und schrieb für diese zunächst einen Bericht über den Einsatz seiner Division in der Normandie. 1947 wurde Praun aus der Gefangenschaft entlassen und lebte bei seiner Familie in einem Behelfsheim in Neumarkt-St. Veith. Die Verbindung mit der Historical Division riss aber nicht ab, denn Praun verfasste in deren Auftrag zunächst eine „Untersuchung über den Funkdienst des russischen, britischen und amerikanischen Heeres im 2.Weltkrieg“. Dazu schrieb er 1949 etliche ehemalige Offiziere aus der Nachrichtentruppe an und bat um Beiträge zu seiner Studie. Mindestens 17 antworteten, vorzugsweise ehemalige Angehörige der Nachrichtenaufklärung des Heeres sowie der Funkabwehr - darunter besonders ausführlich der ehemalige Oberst Kunibert Randewig, den Praun als Oberleutnant und Leiter der Horchstelle in Königsberg kennengelernt hatte.

Von 1947 bis 1956 hat Praun weiterhin (auch unter Nutzung von Beiträgen) Studienberichte über das Nachrichtenwesen der Wehrmacht, die Nachrichtenverbindungen im Westfeldzug und im Osten sowie der 4. Panzerarmee verfasst.

Praun kam - offenbar noch 1948 und vermutlich auf Vermittlung von Generaloberst a.D. Guderian – in Kontakt mit der Organisation Gehlen und wurde später von dieser in Pullach angestellt - er arbeitete dort dem Vernehmen nach an technischen Projekten der Abteilung Nachrichtenwesen. 1956 übernahm er dann als Leiter die Abteilung Nachrichtenwesen des BND von dem ehemaligen Oberst i.G. Hepp (seinem seinerzeitigen Chef des Stabes), nachdem dieser als erster Inspizient der Fernmeldetruppe zur Bundeswehr gewechselt war.

Im Jahr 1961 ist auf seine Anregung hin der bis heute bestehende „Fernmeldering“ als Kameradschaftsverein ehemaliger Angehöriger der Telegraphen- und Nachrichtentruppe in Bonn gegründet worden; dieser ehrte ihn später mit der Ehrenmitgliedschaft.

Im Jahr 1965 beendete Praun aus gesundheitlichen Gründen seine Tätigkeit im BND. Ebenfalls 1965 erschienen in Würzburg im Selbstverlag seine detaillierten Erinnerungen „Soldat in der Telegraphen- und Nachrichtentruppe“.

 

Albert Praun starb am 3. März 1975 im Alter von 81 Jahren in Würzburg und wurde auf dem dortigen Waldfriedhof beerdigt.

 

(Quelle: Auszug aus Die F-Flagge auf http://www.fernmeldering.de/

 


 

Das 1965 von Albert Praun in Würzburg im Selbstverlag mit seinen detaillierten Erinnerungen erschienene Buch „Soldat in der Telegraphen- und Nachrichtentruppe“.

hier eine von Albert Praun signierte Ausgabe.